Mit Renderbildern in die Zukunft schauen.

Man kann sich nur schwer vorstellen, wie eine geplante Farbgestaltung später in der Realität wirkt. Denn man muss die Farben mit den Augen anschauen, um ihre Wirkung zu empfinden, und das nicht nur auf einem kleinen Farbfächer, sondern im Gesamtzusammenhang.

Darum geht ja so viel schief mit Farbe in der Architektur. Weil der Planer keine Anschauung davon hat, wie die Wirkung sein wird: als Interaktion von Fassade, Dach, Tür, Fenster, Umgebung, Himmel, Sonne, Morgen, Abend…. Oder im Innenraum als Zusammenklang von Bodenbelag, Raumtextilien, Möbeloberflächen, Wandfarben, Beleuchtung und Belichtung…

Erst seit wenigen Jahren lassen sich Farbgestaltungen in fotorealistischer Qualität mit verhältnismäßig geringem Aufwand als 3D-Computermodelle visualisieren. Ein Zauberwort dabei ist „global illumination rendering“, also die Bildberechnung mit differenzierten Glanzgraden, interaktiven Farb- und Lichtwirkungen, Überstrahlungen, Reflexionen…

Derartige Renderings integrieren alle visuellen Informationen in einer anschaulichen Ansicht. Und Änderungen des Farbkonzepts lassen sich dann – weil man sieht, wo es möglicherweise zu Unstimmigkeiten kommt – verhältnismäßig einfach vornehmen, lange bevor Material bestellt oder Wände gestrichen werden.

Auf www.renderbilder.de ist eine interessante Auswahl zu sehen. Wer diese Dienstleistung in Anspruch nehmen möchte, wendet sich am besten an Jürgen Opitz, opitz@renderbilder.de

Anmerkung: „To render“ (englisch) bedeutet „übersetzen“, „wiedergeben“ „leisten“. In unserem Fall bezieht sich das Wort auf das Übersetzen einer 3D-Szene (d.h. eines dreidimensionalen Vektormodells) in ein zweidimensionales Pixelbild.

 

Farben hören

 

Synchromie, Februar 2013, Jürgen Opitz

Synchromie, Februar 2013, Jürgen Opitz

Synchromie Februar 2013
„…über einem pochenden Ostinato-Bass von links kommend die 3 Strahlen der Streicher, von rechts kommend das Gleiche Motiv als ein taktübergreifend punktierter Rhythmus (Hermiole). Beide bilden in der Mitte ein Interferenzmuster, das sich zum Weißpunkt hochschwingt, dramatisiert durch die Nähe zum Schwarzpunkt…“ (Bild und Text: Jürgen Opitz)
Hier noch einmal der Hinweis auf zwei bemerkenswerte Synchromie-Veranstaltungen:
Vernissage  und Vortrag  (Jürgen Opitz) mit Klavierimprovisation (Björn Karsten)
Ort: Offene Friedenskirche Köln-Mülheim, Wallstr. 70
Termin 1: Freitag 15.02.2013, 19:30
Termin 2: Freitag 16.03.2013  20:00 (“Mülheimer Nacht”)
http://www.synchromie.de/html/ausstellungen.html

 

Synchromie: Malerei und Klavierimprovisation

Jürgen Opitz: Synchromie, Acryl auf Leinwand, 80 x 60 cm

Synchromie – 15 Farbklänge (Werke von Jürgen Opitz)
Die Vernissage mit Vortrag (J. Opitz) und Klavierimprovisation (Björn Karsten) findet am Freitag 15.02.2013 um 19:30
in der Offenen Friedenskirche Köln-Mülheim, Wallstr. 70, statt.
weiterer Termin:
Vortrag und Klavierimprovisation im Rahmen der “Mülheimer Nacht” am Freitag  16.03.2013  20:00
mehr Informationen auf der Synchromie-Webseite

 

Die Teilung der Farbe

"Farben? Gibt es nicht!"

Vielen, die sich mit Farbe beschäftigen, ist wie selbstverständlich klar: Man kann zwar viel über Farben nachdenken. Aber kein Gedanke kann die Anschauung von Farbe (die Begegnung mit ihr) ersetzen. Denn Farbe ist sinnlicher, nicht gedanklicher Natur. Als Farbgestalter kennt man die Bedeutung dieses Satzes auch ganz arbeitspraktisch: Man muss sehen, wie das Konzept wirkt, um es abschließend beurteilen zu können; und darum sind Visualisierungen (am besten 3D-Visualisierungen am Computer) sehr hilfreich. –
Als Mitglied des Deutschen Farbenzentrums e.V. (das sich selbst als ein bzw. das „Zentralinstitut für Farbe in Wissenschaft und Gestaltung“ bezeichnet) höre ich hin und wieder die Auffassung, dass es „Farben eigentlich nicht gibt“.
Was entgegne ich, wenn ein sehbegabter Mensch, mit weißem Hemd, dunkelroter Krawatte, blauen Augen, und voll herzlicher Zuneigung, mir diese Meinung (denn eine „Anschauung“ ist es ja gerade nicht) vermitteln möchte? Eine von vielen Antworten habe ich auf der Webseite des Farbenzentrums gepostet. Der Link ist: http://www.deutsches-farbenzentrum.de/2012/12/die-teilung-der-farbe-mitgliederstatement-m-benad-zur-inhaltlichen-positionierung-des-dfz/

Wachtelweizen

Im Botanischen Garten München begegnete ich bereits im Juni der hier abgebildeten Pflanze. Es handelt sich – so die Auskunft einer Mitarbeiterin des Gartens, die auf meine Email-Anfrage nach dem Namen antwortete – um den Wachtelweizen (Melampyrum nemorosum). Vielen Dank an die freundlichen Mitarbeiter des Botanischen Gartens, zum einen für die rasche Antwort, zum anderen für Pflege und Erhalt dieses wunderbaren Fleckchens Erde. Ein Besuch lohnt immer!

Melampyrum nemorosum

Aber warum zeige ich ein Bild dieses „giftigen Halbschmarotzers“  (wie Wikipedia mich aufklärt)?

Weil die violetten Blätter gefärbte Laubblätter sind – keine Blütenblätter!
Die tatsächlichen (gelben) Blütenblätter sieht man im oberen Teil der Pflanze hinter den Laubblättern hervorblitzen.
Und was möchte ich damit sagen? Nichts. Nur zum Staunen und Sinnen anregen…

Herbst-Annemone

Vielleicht interessiert es jemanden, wie sich die Färbung der Blätter einer Herbst-Annemone (gemessen am 14.8.2012 neben unserem Atelier) in NCS-Schreibweise ausdrücken lässt?
Blütenblätter: 2020-R40B,  3040-R40B
Staubblätter: 2070-Y10R
Blütenboden: 4040-G90Y
Laubblätter: 7020-G30Y
Herbst-Annemone
Wir haben die Farbtöne mit dem Fächer abgenommen und jeweils den am besten passenden Mittelwert abgeschätzt. Farbbereiche des Fotos wurden später mit der Funktion „Nächste Farbwerte“ des Digitalen Farbatlas überprüft und lieferten vergleichbare Werte. Die Farbbestimmung mit dem Fächer vor Ort ist selbstverständlich präziser, da wir exakt die Körperfarbe bestimmen, unabhängig von der (im Foto abgebildeten) Aufhellung und Abdunklung der Lokalfarbe im Licht-Schatten-Raum. Und was die digitale Elektronik vom Sensor der Kamera bis hin zu Photoshops Raw-Entwicklungseinstellungen aus dem macht, was ursprünglich Sinneseindruck war, lässt sich nicht wirklich nachvollziehen.

Edle Putz- und Spachteltechniken

In Kürze kommt wieder ein Buch von mir heraus, auf das ich hier hinweisen möchte.
Martin Benad, Peter Ziegler: Edle Putz- und Spachteltechniken.

Das Buch erscheint Anfang September 2012 bei der DVA, München.
Gerade bei Kalk- und Lehmoberflächen ist die Farbwirkung untrennbar mit der Materialität und Struktur, dem Relief, dem Tiefenlicht, dem Glanz etc. verknüpft. Auch hier wird wieder offensichtlich, wie abstrakt es ist, die „Wirkung einer Farbe“ (eines Farbtons) losgelöst vom Kontext beschreiben zu wollen.
Inhaltsverzeichnis, Bestellformular und viele Fotos gibt es auf www.benad.com/benad-buecher

Farbenglück

Suchet in euch, so werdet ihr alles finden,
und erfreuet euch, wenn da draußen,
wie ihr es immer heißen möget,
eine Natur liegt, die Ja und Amen zu allem sagt,
was ihr in euch gefunden habt.
J.W.v.Goethe, Maximen und Reflexionen 1133

 

 

 

 

 

 

 

Der Bildband „Farbenglück“ von Jürgen Opitz möchte anregen und daran erinnern, Schönheit überall wahrzunehmen. Orte wie die, die in den Fotos gezeigt werden, gibt es überall und sind jeden Tag zu erreichen.
Zugleich ist der „innere Raum“ aufzusuchen, der die Tür zur wirklichen Welt öffnet. Ist dieser geschlossen, gibt es auch „draußen“ in der Natur nichts zu entdecken.

„Die Entdeckung freilich will wieder und wieder in jedem Augenblick neu getan werden. Denn nur in gegenwärtiger Wahrnehmung ist sie wahr. Dann erst erfährt sie ihre Verwirklichung, kommt durch unsere Sinne und unser Erkennen zum Daseins-Sinn. Ein Geben und Nehmen: Liebe geben – Wahr-nehmen. Farbenglück. (…)
Licht, Schatten und Farbe sind die freiesten Ströme und in schnellster Interaktion mit dem Empfinden. Jeder tiefe Blick in das farbig flutende Wesen der Dinge verbindet sofort mit der sprudelnden Quelle, mit der lebendigen Schöpferkraft. Farbige Erscheinungen sind Offenbarungen der am Ort wirksamen Kraftfelder und geben farbigen Einblick in ihr inneres Wesen.“ (Jürgen Opitz)

Hier gibt es das Buch: http://synchromie.de/html/bucher.html

Kunst am Bau (2)

Wo Architektur aufhört, die Sehnsucht eines Nutzers, Betrachters, Stadtbewohners nach schöpferischer Lebendigkeit zu befriedigen, schlägt die Stunde von Kunst am Bau.
Sie kann den Eindruck vermitteln, dass der kulturelle Anspruch ans Bauen ja ohnehin aufgegeben wurde (man hat es mit Zweckbauten zu tun, also Funktionszonen mit Wänden drum herum und einem Deckel drauf, dass es nicht reinregnet und warm bleibt) und dass Kunst dran geheftet wird, um den Aufenthalt im Bauwerk erträglicher zu machen. Oder zu zeigen, dass man doch kein Banause ist. Oder sich dafür zu entschuldigen, dass man einer ist. Dumm nur, wenn die Entschuldigung als die nächste Zumutung erlebt wird. Und wenn sie aus Gründen des Urheberrechts so lange dran bleiben muss wie das Bauwerk steht, auch wenn die meisten Nutzer darunter leiden oder das Kunstwerk einfach nicht mehr aktuell ist.
Warum baut man nicht gleich etwas, das die Sinne anspricht? Warum sind so viele Bauten grau oder knallbunt. Warum ist farbig bauen so schwer?

Farbpsychologie. Womit beschäftigen sich Farbpsychologen?

Bilder vom Workshop "Farbpsychologie" mit Martin Benad

Als naturwissenschaftliche Disziplin ist Farbpsychologie ein Teilgebiet der Wahrnehmungspsychologie. Hier werden vor allem die klassischen Fragestellungen zur Psychophysik erforscht, also die gesetzmäßigen Zusammenhänge von physikalischen Reizen und mentalen (seelischen) Erlebnissen. Auch die Farbmetrik (wie man Farben bzw. Farbunterschiede messen und mathematisch darstellen kann) fällt in dieses Gebiet.
Die geisteswissenschaftlichen Aspekte der Farbpsychologie betreffen Themen zur Semantik (d.h. Bedeutungslehre), zur Sprachwissenschaft sowie zu Kunst und Kulturgeschichte.

Empirisch forschende Farbpsychologen interessieren sich unter anderem  für Fragen, die die Bereiche Neurobiologie, Soziologie und Lernpsychologie betreffen:
– alters-, geschlechts-, zeit- und kulturabhängige Farbpräferenzen (Vorzugsfarben, Lieblingsfarben)
– Wechselwirkungen zwischen visuellen Wahrnehmungen und Wahrnehmungen anderer Sinnesbereiche
– Wechselwirkungen zwischen Farbwahrnehmung und Erinnerungsvermögen bzw. Lernfähigkeit
– Einfluss der Farbwahrnehmung auf die Einschätzung von Umwelteigenschaften
– Veränderung der leiblichen / emotionalen / mentalen Disposition infolge von Farbwahrnehmung
Den ganzen Artikel finden Sie auf www.benad.com.